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Hormone • 12 min Lesezeit

Cortisol und deine Gains: Wie das Stresshormon deinen Fortschritt sabotieren oder unterstützen kann

Verstehe die Rolle von Cortisol im Fitness: Wann es schadet, wann es hilft, und praktische Strategien zur Optimierung deiner Werte für maximale Ergebnisse.

Por D-Fit Team
Cortisol und deine Gains: Wie das Stresshormon deinen Fortschritt sabotieren oder unterstützen kann

Cortisol ist zum Bösewicht in der Fitness-Welt geworden. “Cortisol verbrennt Muskeln!” “Cortisol speichert Fett!” Aber die Geschichte ist komplexer. Cortisol ist nicht dein Feind - CHRONISCHES Cortisol ist es.

Lass es uns richtig verstehen.

Was ist Cortisol

Biologische Funktionen

Cortisol ist lebensnotwendig. Ohne es würdest du sterben.

Lebenswichtige Funktionen:
✅ Reguliert den Stoffwechsel von Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen
✅ Kontrolliert Entzündungsreaktionen
✅ Reguliert den Blutdruck
✅ Kontrolliert den Schlaf-Wach-Rhythmus
✅ Hilft bei der Stressreaktion
✅ Mobilisiert Energie wenn nötig

Der natürliche Rhythmus

Normales zirkadianes Muster:
06:00 Uhr: Höchstwert (weckt dich auf)

Schrittweiser Abfall über den Tag

22:00 Uhr: Minimum (bereitet auf Schlaf vor)

Steigt wieder während der Nacht

06:00 Uhr: Wieder Höchstwert

Dieser Rhythmus ist gesund und notwendig. Das Problem ist, wenn er sich verschiebt.

AKUTES vs. CHRONISCHES Cortisol

Akutes Cortisol (Gut)

Was es ist:
- Temporärer Anstieg als Reaktion auf Stress
- Dauert Minuten bis Stunden
- Kehrt zum Normalwert zurück

Beispiele:
- Während intensivem Training
- Vor Prüfung/Präsentation
- Gefahrensituation

Funktion:
✅ Mobilisiert Energie
✅ Erhöht Fokus
✅ Bereitet Körper auf Aktion vor
✅ Ist NOTWENDIG für Leistung

Training OHNE Cortisolanstieg wäre kein effektiver Stimulus.

Chronisches Cortisol (Schlecht)

Was es ist:
- Dauerhaft erhöhte Werte
- Tage, Wochen, Monate
- Körper "schaltet" den Stress nie ab

Ursachen:
- Chronischer psychologischer Stress
- Übertraining
- Langanhaltendes starkes Kaloriendefizit
- Schlafmangel
- Chronische Entzündungen

Folgen:
❌ Muskelkatabolismus
❌ Fettansammlung (besonders am Bauch)
❌ Immunsuppression
❌ Testosteronabfall
❌ Schlafprobleme
❌ Angst/Depression
❌ Insulinresistenz

Wie Cortisol deine Gains beeinflusst

Muskelkatabolismus

Mechanismus:
Chronisch hohes Cortisol

Erhöhter Muskelproteinabbau

Aminosäuren werden für Energie freigesetzt (Glukoneogenese)

Weniger Muskeln

JEDOCH:
- Das passiert bei CHRONISCHEM Cortisol
- Der akute Peak beim Training verursacht keinen signifikanten Verlust
- Insulin/Essen nach dem Training gleicht das aus

Fettansammlung

Chronisches Cortisol begünstigt Bauchfett:
- Verteilt Fett in die viszerale Region um
- Erhöht Appetit (besonders auf Kohlenhydrate/Fett)
- Kann Insulinresistenz verursachen
- Reduziert Fettverbrennung

Testosteron

Cortisol und Testosteron sind Gegenspieler:
- Konkurrieren um den gleichen Vorläufer (Pregnenolon)
- Hohes Cortisol = weniger "Material" für Testo
- Chronischer Stress = chronisch niedriges Testo

Regeneration

Chronisches Cortisol beeinträchtigt die Regeneration:
- Reduziert Proteinsynthese
- Erhöht Entzündungen
- Stört den Schlaf
- Unterdrückt das Immunsystem

Ergebnis:
- Langsamere Erholung
- Höhere Verletzungsanfälligkeit
- Längerer Muskelkater

Quellen von chronischem Cortisol im Fitness

1. Übertraining

Anzeichen, dass du übertrainierst:
- Leistung sinkt kontinuierlich
- Müdigkeit, die auch mit Ruhe nicht verschwindet
- Schlaflosigkeit trotz Erschöpfung
- Reizbarkeit
- Erhöhte Ruheherzfrequenz
- Häufige Erkrankungen
- Wiederkehrende Verletzungen

Übertraining = chronischer Stress = chronisches Cortisol.

2. Aggressives Kaloriendefizit

Der Körper interpretiert starkes Defizit als "Hunger" (Stressor)

Moderates Defizit (10-20%):
- Leicht erhöhtes Cortisol
- Handhabbar, nicht problematisch

Aggressives Defizit (30%+) über längere Zeit:
- Signifikant erhöhtes Cortisol
- Erhöhter Muskelverlust
- Plateau wahrscheinlicher
- Rebound wahrscheinlicher

3. Schlafmangel

Chronisch 5-6 Stunden schlafen:
- 30-40% höheres Cortisol
- Gestörter zirkadianer Rhythmus
- Cortisol sinkt nachts nicht wie es sollte

4. Psychologischer Stress

Arbeit, Beziehungen, Finanzen:
- Körper unterscheidet nicht zwischen physischem und psychischem Stress
- Gleiches Hormon, gleiche Konsequenzen
- Training + Lebensstress = erhöhte Gesamtbelastung

5. Übermäßiges Cardio

Langes Ausdauertraining (60min+):
- Erhöht Cortisol signifikant
- Besonders nüchtern
- Besonders im Defizit

Deshalb:
- Übermäßiges Cardio kann Gains beeinträchtigen
- HIIT ist hormonell "teurer"
- Moderation ist der Schlüssel

Wie man Cortisol managt

1. Periodisierung des Trainings

Trainiere nicht immer am Maximum:
- Leichtere Wochen (Deload)
- Echte Ruhetage
- Variation von Volumen/Intensität

Beispiel Mesozyklus:
Woche 1-3: Progressives Volumen
Woche 4: Deload (50% Volumen)
Wiederholen

2. Moderates Defizit

Um Muskeln zu erhalten und chronisches Cortisol zu vermeiden:
- Defizit von 300-500 kcal/Tag
- Maximum 20-25% des TDEE
- Periodische Refeeds bei längerem Defizit
- Diet Breaks alle 8-12 Wochen

3. Schlaf priorisieren

Schlaf ist, wenn Cortisol niedrig sein sollte:
- 7-9 Stunden
- Konstante Zeiten
- Angemessene Umgebung
- Schlafhygiene

4. Lebensstress managen

Bewährte Techniken:
✅ Meditation (reduziert Cortisol in Studien)
✅ Zwerchfellatmung
✅ Spaziergänge in der Natur
✅ Entspannende Hobbys
✅ Soziale Kontakte
✅ Nachrichten/Social Media limitieren

5. Anti-Cortisol-Ernährung

Kohlenhydrate:
- Nicht zu stark reduzieren
- Carbs helfen, Cortisol nach dem Training zu senken
- Besonders abends kann das beim Schlaf helfen

Timing:
- Nicht nüchtern trainieren wenn empfindlich
- Nach dem Training essen reduziert Cortisolreaktion

Mikronährstoffe:
- Vitamin C: 500-1000mg kann Cortisol dämpfen
- Magnesium: Hilft bei Entspannung
- Omega-3: Entzündungshemmend

6. Spezifische Supplements

Ashwagandha:
- Studien zeigen ~28% Cortisolreduktion
- Dosis: 300-600mg KSM-66 oder Sensoril
- Wirkung braucht 4-8 Wochen

Phosphatidylserin:
- Kann Cortisolreaktion auf Training dämpfen
- Dosis: 400-800mg
- Weniger robuste Evidenz als Ashwagandha

Rhodiola:
- Adaptogen
- Kann bei Stress/Müdigkeit helfen
- Dosis: 200-600mg

Anzeichen, dass Cortisol hoch ist

Körperliche

- Bauchfett nimmt zu (selbst im Defizit)
- Aufgedunsenes/rundes Gesicht
- Muskelmasseverlust
- Dünne Haut/leicht verletzbar
- Langsame Regeneration
- Häufige Erkrankungen

Verhaltensbedingte

- Schlaflosigkeit (besonders Aufwachen um 3-4 Uhr)
- Morgens müde, abends Energie (umgekehrt)
- Heißhunger auf Zucker/Salz
- Reizbarkeit
- Angst
- Konzentrationsschwierigkeiten

Beim Training

- Kraft nimmt ab
- Übermäßige Erschöpfung
- Schwacher Pump
- Muskelschmerzen die nicht vergehen
- Null Motivation

Wann Hilfe suchen

Arzt

Geh hin wenn:
- Anhaltende Symptome von hohem Cortisol
- Verdacht auf medizinische Erkrankung (Cushing, Addison)
- Schwere Symptome die Lebensqualität beeinträchtigen
- Werte normalisieren sich nicht durch Lebensstiländerungen

Tests

Serum-Cortisol (Blut):
- Am besten morgens früh machen
- Normalwerte: 6-23 mcg/dL morgens

Speichel-Cortisol:
- Weniger invasiv
- Kann über den Tag gemessen werden

24h-Urin-Cortisol:
- Misst Gesamtproduktion
- Nützlich für Cushing-Diagnose

Die Trainingsreaktion optimieren

Das ideale Gleichgewicht

Wir wollen:
✅ Akuten Cortisol-Peak während Training (Stimulus)
✅ Schnellen Abfall nach Training (Regeneration)
✅ Niedrige Werte den Rest des Tages (Anabolismus)

Wir wollen nicht:
❌ Dauerhaft hohes Cortisol
❌ Cortisol das nach Training nicht sinkt
❌ Umgekehrter zirkadianer Rhythmus

Pre-Workout-Protokoll

Zur Optimierung:
- Nicht extremes Fasten trainieren (>12h)
- Etwas Leichtes wenn empfindlich (Obst, kleiner Shake)
- Nicht trainieren wenn bereits gestresst/erschöpft
- Koffein ok, aber nicht zu viel

Post-Workout-Protokoll

Um Cortisol schnell zu senken:
- Protein + Carbs nach dem Training
- Training nicht über das Nötige hinaus verlängern
- Entspannungstechniken wenn möglich
- Nicht direkt zum nächsten Stressor hetzen

Trainingsdauer

Cortisol steigt signifikant nach 45-60min:
- Sehr lange Trainingseinheiten = höheres Cortisol
- Effizienz > Dauer
- 45-75 min ist ideal für die meisten

Cortisol beim Cutting vs. Bulking

Im Cutting

Cortisol ist natürlich höher:
- Defizit ist ein Stressor
- Je größer das Defizit, desto höher das Cortisol
- Je länger, desto erhöhter

Strategien:
- Moderates Defizit
- Wöchentliche Refeeds
- Periodische Diet Breaks
- Schlaf priorisieren
- Trainingsvolumen reduzieren (Intensität halten)

Im Bulking

Cortisol ist generell niedriger:
- Kalorienüberschuss ist kein Stressor
- Reichlich Energie
- Bessere Regeneration

Kann aber steigen wenn:
- Übertraining (zu hohes Volumen)
- Lebensstress nicht gemanagt
- Schlaf vernachlässigt

Abschließende Zusammenfassung:

FaktorErhöht CortisolSenkt Cortisol
TrainingÜbermäßig, zu langModerat, periodisiert
ErnährungStarkes DefizitModerates Defizit, Refeeds
SchlafMangel7-9h Qualität
StressChronisch, nicht gemanagtEntspannungstechniken
CardioÜbermäßigModerat
Supplements-Ashwagandha, Vit C

Die Hauptbotschaft: Cortisol ist kein Bösewicht. Akutes Cortisol ist notwendig um zu trainieren und Fortschritte zu machen. Das Problem ist chronisch erhöhtes Cortisol durch Übertraining, aggressives Defizit, Schlafmangel oder nicht gemanagten Stress.

Versuche nicht, Cortisol zu “eliminieren”. Versuche Bedingungen zu schaffen, damit es steigt wenn nötig (Training) und sinkt wenn nötig (Regeneration).

Der Körper braucht Stress um sich anzupassen. Aber er braucht auch Ruhe um sich wieder aufzubauen. Das Gleichgewicht zwischen beiden ist, wo die Magie passiert.


Referenzen:

  • Hackney AC. “Stress and the neuroendocrine system: the role of exercise as a stressor and modifier of stress.” Expert Rev Endocrinol Metab. 2006.
  • Anderson T, et al. “Cortisol and testosterone dynamics following exhaustive endurance exercise.” Eur J Appl Physiol. 2016.
  • Chandrasekhar K, et al. “A prospective, randomized double-blind, placebo-controlled study of safety and efficacy of a high-concentration full-spectrum extract of ashwagandha root in reducing stress and anxiety in adults.” Indian J Psychol Med. 2012.
  • Tremblay MS, et al. “Effect of training status and exercise mode on endogenous steroid hormones in men.” J Appl Physiol. 2004.
Tags: #cortisol #hormone #stress #regeneration #übertraining