Deload-Woche: Wann und wie du sie durchführst, um weiter Fortschritte zu machen
Der ultimative Guide zu Deload-Wochen: Warum sie unverzichtbar sind, wann du sie einsetzen solltest, wie du sie strukturierst und welche Fehler deine Erholung sabotieren.
Du machst gute Fortschritte, die Gewichte steigen, und plötzlich… Plateau. Kraft sinkt, Motivation verschwindet, der Körper schmerzt. Was ist passiert?
Wahrscheinlich brauchst du einen Deload.
Was ist ein Deload?
Deload ist eine geplante Woche mit reduziertem Volumen und/oder Intensität, um akkumulierte Erholung zu ermöglichen.
Normale Trainingswochen:
→ Stress > Erholung
→ Ermüdung sammelt sich allmählich an
→ Leistung fällt irgendwann ab
Deload-Woche:
→ Stress < Erholung
→ Körper "bezahlt" die angesammelte Ermüdung
→ Kommt stärker zurück
Es bedeutet nicht, mit dem Training aufzuhören. Es bedeutet, strategisch weniger zu trainieren, um sich zu erholen und besser zurückzukommen.
Warum Deload notwendig ist
Die Wissenschaft der Ermüdung
Dein Körper hat zwei Arten von Ermüdung:
Akute Ermüdung:
- Müdigkeit vom Training des Tages
- Erholt sich in 24-72h
- Normal und erwartet
Akkumulierte Ermüdung:
- Summe von Wochen des Trainings
- Erholt sich nicht mit einer Nacht Schlaf
- Sammelt sich allmählich an
- Braucht eine längere Periode zur Auflösung
Das Fitness-Ermüdungs-Modell
Leistung = Fitness - Ermüdung
Szenario 1 (normales Training):
Fitness: 100 | Ermüdung: 30 | Leistung: 70 ✓
Szenario 2 (akkumulierte Ermüdung):
Fitness: 110 | Ermüdung: 60 | Leistung: 50 ✗
Szenario 3 (nach Deload):
Fitness: 108 | Ermüdung: 20 | Leistung: 88 ✓✓
Deload reduziert Ermüdung schneller als Fitness, was zu überlegener Leistung führt, wenn du zurückkommst.
Was ohne Deload passiert
Woche 1-4: Guter Fortschritt
Woche 5-8: Fortschritt verlangsamt sich
Woche 9-12: Plateau oder Regression
Woche 13+: Mögliches Übertraining
Symptome:
- Kraft nimmt ab
- Chronische Schmerzen
- Schlechter Schlaf
- Reizbarkeit
- Fehlende Motivation
- Häufige Verletzungen
Wann du einen Deload machen solltest
Geplanter Ansatz (Empfohlen)
Alle 4-8 Wochen intensiven Trainings:
Anfänger: Alle 6-8 Wochen
Fortgeschrittene: Alle 4-6 Wochen
Profis: Alle 3-4 Wochen
Warum planen? Verhindert, dass sich zu viel Ermüdung ansammelt. Es ist Prävention, kein Heilmittel.
Reaktiver Ansatz (Bei Bedarf)
Mache sofort einen Deload, wenn:
Körperliche Anzeichen:
❌ Kraft ist deutlich gesunken (>10%)
❌ Schmerzen, die nicht vergehen
❌ Immer müde, selbst bei Ruhe
❌ Leistung verschlechtert sich Training für Training
Mentale Anzeichen:
❌ Null Motivation zum Training
❌ Konstante Reizbarkeit
❌ Angst vor dem Training
❌ "Furcht" ins Gym zu gehen
Physiologische Anzeichen:
❌ Erhöhte Ruheherzfrequenz
❌ Chronisch schlechter Schlaf
❌ Häufige Infektionen/Erkältungen
❌ Appetitlosigkeit oder übermäßiger Hunger
Wann du KEINEN Deload machen solltest
❌ Nur weil "es schon X Wochen her ist"
→ Wenn du gute Fortschritte machst, mach weiter
❌ Aus versteckter Faulheit
→ Deload ist keine Ausrede, nicht zu trainieren
❌ Während der Anpassungsphase (Anfänger)
→ Die ersten Monate brauchen keinen formellen Deload
❌ Wenn du schon viel ruhst
→ Trainierst du 2-3x/Woche, brauchst du wahrscheinlich keinen
Wie man einen Deload macht
Methode 1: Volumen reduzieren (Am häufigsten)
Intensität beibehalten, Volumen um 40-60% reduzieren
Normales Training:
- Bankdrücken: 4x8 @ 80kg
- Gesamt: 32 Wdh
Deload (Volumenreduktion):
- Bankdrücken: 2x8 @ 80kg
- Gesamt: 16 Wdh (50% des Normalen)
Vorteil: Erhält neurale Stimulation und Technik Wann verwenden: Meiste Situationen
Methode 2: Intensität reduzieren
Volumen beibehalten, Gewicht um 40-60% reduzieren
Normales Training:
- Bankdrücken: 4x8 @ 80kg
Deload (Intensitätsreduktion):
- Bankdrücken: 4x8 @ 50-55kg (60-70% des Normalen)
Vorteil: Übungsvolumen bleibt erhalten Wann verwenden: Wenn Gelenkschmerzen das Problem sind
Methode 3: Beides reduzieren (Aggressiver Deload)
Volumen UND Intensität reduzieren
Normales Training:
- Bankdrücken: 4x8 @ 80kg
Aggressiver Deload:
- Bankdrücken: 2x8 @ 55kg
Wann verwenden: Schwere Ermüdung, Übertrainingssymptome
Methode 4: Übungen wechseln
Training beibehalten, aber mit weniger anspruchsvollen Übungen
Normales Training:
- Freie Kniebeuge: 4x6
- Rumänisches Kreuzheben: 4x8
- Beinpresse: 3x12
Deload (Variation):
- Beinpresse: 3x10
- Beinstrecker: 3x12
- Beinbeuger: 3x12
Vorteil: Weniger Stress auf das Nervensystem Wann verwenden: Hohe neurale Ermüdung
Struktur der Deload-Woche
Beispiel: Push/Pull/Beine Training
Normale Woche:
Montag: Push (Brust/Schulter/Trizeps) - Hohes Volumen
Dienstag: Pull (Rücken/Bizeps) - Hohes Volumen
Mittwoch: Ruhe
Donnerstag: Beine - Hohes Volumen
Freitag: Push - Hohes Volumen
Samstag: Pull - Hohes Volumen
Sonntag: Ruhe
Deload-Woche:
Montag: Push - 50% des Volumens
Dienstag: Ruhe oder leichtes Cardio
Mittwoch: Pull - 50% des Volumens
Donnerstag: Ruhe
Freitag: Beine - 50% des Volumens
Samstag: Ruhe oder Mobilität
Sonntag: Ruhe
Beispiel: Oberkörper/Unterkörper
Normale Woche:
Montag: Oberkörper - Hohes Volumen
Dienstag: Unterkörper - Hohes Volumen
Mittwoch: Ruhe
Donnerstag: Oberkörper - Hohes Volumen
Freitag: Unterkörper - Hohes Volumen
Samstag/Sonntag: Ruhe
Deload-Woche:
Montag: Oberkörper - 50% Volumen
Dienstag: Ruhe
Mittwoch: Unterkörper - 50% Volumen
Donnerstag: Ruhe
Freitag: Oberkörper - 50% Volumen (optional)
Samstag/Sonntag: Ruhe
Was während des Deloads zu tun ist
Im Fitnessstudio
✅ Machen:
- Die gleichen Übungen beibehalten (Technik)
- Auf perfekte Ausführung konzentrieren
- Mobilität zwischen den Sätzen arbeiten
- Rausgehen ohne zerstört zu sein
❌ Nicht machen:
- Neue Übungen hinzufügen
- 1RM testen
- Bis zum Muskelversagen trainieren
- Mit mehr Cardio "kompensieren"
Außerhalb des Fitnessstudios
✅ Priorisieren:
- Schlaf (8-9h wenn möglich)
- Angemessene Ernährung (keine Kalorien streichen)
- Hydration
- Stressmanagement
- Leichte aktive Erholung
❌ Vermeiden:
- Aggressives Kaloriendefizit
- Schlecht geschlafene Nächte
- Übermäßiger Alkohol
- Unnötiger Stress
Ernährung während des Deloads
Keine Kalorien streichen
Häufiger Fehler:
"Weniger Training = weniger essen"
Realität:
Dein Körper ERHOLT sich
Braucht Energie und Nährstoffe
Kalorienreduktion beeinträchtigt die Erholung
Empfehlungen
Protein: Gleich halten (1,6-2,2g/kg)
Kalorien: Halten oder leicht reduzieren (max 10-15%)
Kohlenhydrate: Halten (hilft bei Glykogen-Erholung)
Wenn du in einer Diät bist: Du kannst das Defizit fortsetzen, aber nicht erhöhen.
Häufige Fehler beim Deload
Fehler 1: “Nur heute” schwer trainieren
❌ "Ich fühle mich gut, ich gebe Gas"
→ Macht den Zweck des Deloads zunichte
→ Ermüdung löst sich nicht auf
Was tun:
✅ Dem Prozess vertrauen
✅ Der Versuchung widerstehen
✅ Dem Plan folgen
Fehler 2: In eine trainingsfreie Woche verwandeln
❌ "Deload = nicht trainieren"
→ Verliert neurale Anpassungen
→ Verliert Bewegungspraxis
→ Ist nicht dasselbe
Deload ≠ Urlaub vom Gym
Fehler 3: Intensives Cardio hinzufügen
❌ "Weniger Krafttraining, kompensiere mit Cardio"
→ Fügt anderen Stress hinzu
→ Ist keine Erholung
→ Kann Ermüdung verschlimmern
Wenn du Cardio willst: Leicht, 20-30 Min
Fehler 4: Essen drastisch reduzieren
❌ "Weniger Training, weniger essen"
→ Beeinträchtigt die Erholung
→ Verliert Muskelmasse
→ Kommt schlechter aus dem Deload
Angemessene Ernährung beibehalten
Fehler 5: Zu häufiger Deload
❌ Deload jede Woche
❌ Deload immer wenn müde
→ Keine Progression
→ Als Ausrede nutzen
Deload ist ein Werkzeug, keine Krücke
Deload vs. Trainingsfreie Woche
Wann Deload
✅ Normale akkumulierte Ermüdung
✅ Fortschritt verlangsamt sich
✅ Teil des geplanten Programms
✅ Will Technik und Gewohnheit beibehalten
Wann komplett trainingsfreie Woche
✅ Urlaub/Reise
✅ Krankheit
✅ Verletzung
✅ Schweres mentales Burnout
✅ Sehr stressiges Leben
✅ Nach Wettkampf
Eine gelegentliche trainingsfreie Woche wird deine Gains nicht zerstören. Manchmal ist es genau das, was du brauchst.
Anzeichen, dass der Deload funktioniert hat
Nach einer guten Deload-Woche:
✅ Erneuerte Energie
✅ Motivation zum Training ist zurück
✅ Schmerzen haben abgenommen oder sind weg
✅ Kraft gleich oder sogar höher bei Rückkehr
✅ Schlaf hat sich verbessert
✅ Stimmung hat sich verbessert
Wenn du nach dem Deload immer noch zerstört bist:
→ Braucht möglicherweise mehr Zeit
→ Erwäge eine komplett trainingsfreie Woche
→ Bewerte andere Faktoren (Schlaf, Stress, Ernährung)
→ Konsultiere einen Fachmann, wenn es anhält
Periodisierung und Deload
Integration ins Programm
Beispiel eines 4-Wochen-Mesozyklus:
Woche 1: Mittleres Volumen, mittlere Intensität
Woche 2: Hohes Volumen, mittlere Intensität
Woche 3: Hohes Volumen, hohe Intensität (Peak)
Woche 4: DELOAD - 50% Volumen
Beispiel eines 6-Wochen-Mesozyklus:
Woche 1-2: Akkumulation (hohes Volumen)
Woche 3-4: Intensivierung (hohes Gewicht)
Woche 5: Realisierung (Peak)
Woche 6: DELOAD
Für diejenigen, die selbstständig trainieren
Einfache Regel:
- 4-6 Wochen progressiv trainieren
- 1 Woche Deload machen
- Wiederholen
Anpassen nach:
- Wie du dich fühlst
- Ob du Fortschritte machst
- Anzeichen von Ermüdung
FAQ
”Werde ich Gains im Deload verlieren?"
Nein. Du verlierst keine Muskelmasse in 1 Woche.
Tatsächlich kannst du PERFORMANCE GEWINNEN,
weil die Ermüdung sich auflöst und die Fitness bleibt.
"Kann ich Cardio im Deload machen?"
Leicht: Ja (Spaziergang, leichtes Radfahren)
Intensiv: Nein (HIIT, hartes Laufen)
Leichtes Cardio kann bei der Erholung helfen.
Intensives Cardio fügt Stress hinzu.
"Wie lange dauert ein Deload?"
Standard: 1 Woche
Schwere Ermüdung: 10-14 Tage
Nach Wettkampf/Peak: Bis zu 2 Wochen
"Brauchen Anfänger einen Deload?"
Generell nicht in den ersten 8-12 Wochen.
Körper passt sich noch an.
Ermüdung akkumuliert langsamer.
Nach einigen Monaten: Ja, einplanen.
"Kann ich einen partiellen Deload machen?”
Ja. Beispiel:
- Deload nur für Grundübungen
- Isolationsübungen normal halten
Oder:
- Deload nur für Beine
- Oberkörper normal
Nach Bedarf nutzen.
Fazit:
| Aspekt | Empfehlung |
|---|---|
| Häufigkeit | Alle 4-8 Wochen |
| Volumenreduktion | 40-60% |
| Gewichtsreduktion | 0-40% |
| Dauer | 1 Woche |
| Ernährung | Gleich halten |
| Cardio | Nur leicht |
| Ziel | Ermüdung auflösen, Technik erhalten |
Deload ist keine Schwäche. Es ist Strategie. Die besten Athleten der Welt machen regelmäßig Deloads. Wenn du langfristigen Fortschritt willst, lerne zurückzugehen, um voranzukommen.
Mehr zu trainieren ist nicht immer besser. Intelligent zu trainieren ist es.
Referenzen:
- Pritchard H, et al. “Tapering Practices of New Zealand’s Elite Raw Powerlifters.” J Strength Cond Res. 2016.
- Murach KA, Bagley JR. “Skeletal Muscle Hypertrophy with Concurrent Exercise Training.” Sports Med. 2016.
- Halson SL. “Monitoring training load to understand fatigue in athletes.” Sports Med. 2014.
- Fleck SJ. “Periodized Strength Training: A Critical Review.” J Strength Cond Res. 1999.